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Obwohl
es die bildende Kunst in der Stadt der Festspiele nie leicht hatte,
etwa über den lange geplanten Museumsbau im oder auf dem Mönchsberg
noch immer nicht entschieden ist, setzt sich nun in Salzburg doch mehr
und mehr die Tendenz durch, auch Malern und Plastikern im öffentlichen
Raum zu Geltung zu verhelfen.
Auf Initiative der Salzburg Foundation, die dabei
einer Idee Walter Smerlings (von der Stiftung für Kunst und Kultur in
Bonn) folgt, wurde ein auf zehn Jahre angelegtes Projekt ins Leben
gerufen, das vorsieht, einen internationalen Beirat jedes Jahr einen
Künstler einladen zu lassen, der jeweils für eine städtische Zone
seiner Wahl ein Werk schafft. Der erste Auftrag erging an Anselm
Kiefer, am vergangenen Wochenende hat er seine Arbeit in Salzburg
vorgestellt. Es handelt sich um ein gegen die Achsen des
Furtwängler-Parks leicht versetztes Haus für zwei Arbeiten Kiefers,
errichtet an prominenter Stelle, direkt gegenüber den Festspielhäusern
und benachbart der barocken Kirche Fischer von Erlachs und der
Universität. Die beiden, an den Längswänden im Inneren des Baus auf
Dauer fixierten Werke sind eine Stellage mit sechzig in Blei gefassten
Büchern, aus denen marokkanischer Dornenstrauch wächst, und eine
großformatige Bildtafel, die als Motiv eine Zeile aus Ingeborg
Bachmanns Gedicht Das Spiel ist aus zitiert. Mit der 1973 aus dem Leben
gegangenen Dichterin befinde er sich, sagt Kiefer, in einem anhaltenden
Dialog. Ein Subtext der Trauer grundiert das Bild wie die bleierne
Bibliothek – Kiefer paraphrasiert die Flüchtigkeit der Zeit, von
altersher das Thema in dieser Stadt. An die Stirnwand des Schreins sind
die Buchstaben AEIOU geschrieben, durch keine Konsonanten zu einem
sinnfälligen Wort verbundene Vokale, die in der frühmittelalterlichen
Emblematik wie in der Kabbala eine Rolle spielen.
Was bedeuten sie? Darauf kann nun jeder sich den
eigenen Vers machen, dreihundert Bedeutungen, heißt es, seien
mindestens möglich. Und darüber, in einem verglasten Ausschnitt der
Decke, immer der Salzburger Wolkenhimmel. Gegen die Epochenströmung,
die immer entschiedener der Kunst den Anspruch streitig macht,
selbständige Realität zu sein, bestehen Haus und Bildwerke auf das
Recht, autonome künstlerische Setzung zu sein: Wirklichkeit wie keine
andere.
P.I.
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