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Frankfurter Rundschau, 31. Juli 2002 – Anselm Kiefers Salzburger Hommage an Ingeborg Bachmann

Obwohl es die bildende Kunst in der Stadt der Festspiele nie leicht hatte, etwa über den lange geplanten Museumsbau im oder auf dem Mönchsberg noch immer nicht entschieden ist, setzt sich nun in Salzburg doch mehr und mehr die Tendenz durch, auch Malern und Plastikern im öffentlichen Raum zu Geltung zu verhelfen.

Auf Initiative der Salzburg Foundation, die dabei einer Idee Walter Smerlings (von der Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn) folgt, wurde ein auf zehn Jahre angelegtes Projekt ins Leben gerufen, das vorsieht, einen internationalen Beirat jedes Jahr einen Künstler einladen zu lassen, der jeweils für eine städtische Zone seiner Wahl ein Werk schafft. Der erste Auftrag erging an Anselm Kiefer, am vergangenen Wochenende hat er seine Arbeit in Salzburg vorgestellt. Es handelt sich um ein gegen die Achsen des Furtwängler-Parks leicht versetztes Haus für zwei Arbeiten Kiefers, errichtet an prominenter Stelle, direkt gegenüber den Festspielhäusern und benachbart der barocken Kirche Fischer von Erlachs und der Universität. Die beiden, an den Längswänden im Inneren des Baus auf Dauer fixierten Werke sind eine Stellage mit sechzig in Blei gefassten Büchern, aus denen marokkanischer Dornenstrauch wächst, und eine großformatige Bildtafel, die als Motiv eine Zeile aus Ingeborg Bachmanns Gedicht Das Spiel ist aus zitiert. Mit der 1973 aus dem Leben gegangenen Dichterin befinde er sich, sagt Kiefer, in einem anhaltenden Dialog. Ein Subtext der Trauer grundiert das Bild wie die bleierne Bibliothek – Kiefer paraphrasiert die Flüchtigkeit der Zeit, von altersher das Thema in dieser Stadt. An die Stirnwand des Schreins sind die Buchstaben AEIOU geschrieben, durch keine Konsonanten zu einem sinnfälligen Wort verbundene Vokale, die in der frühmittelalterlichen Emblematik wie in der Kabbala eine Rolle spielen. 

Was bedeuten sie? Darauf kann nun jeder sich den eigenen Vers machen, dreihundert Bedeutungen, heißt es, seien mindestens möglich. Und darüber, in einem verglasten Ausschnitt der Decke, immer der Salzburger Wolkenhimmel. Gegen die Epochenströmung, die immer entschiedener der Kunst den Anspruch streitig macht, selbständige Realität zu sein, bestehen Haus und Bildwerke auf das Recht, autonome künstlerische Setzung zu sein: Wirklichkeit wie keine andere.

P.I.

 
Anselm Kiefer: A.E.I.O.U.
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Mario Merz: Ziffern im Wald
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Marina Abramovic: Spirit of Mozart
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Markus Lüpertz: Mozart - Eine Hommage
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James Turrell, SKY-SPACE, Innenansicht
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Stephan Balkenhol: Sphaera
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Anthony Cragg: Caldera
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Christian Boltanski: Vanitas
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