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Für den in der Vergangenheit wegen seiner
Aufarbeitung der Nazi-Ästhetik oft missverstandenen Maler ein Wagnis.
Überraschend auch, dass er dafür Salzburg wählte, ist sein Werk in
Österreich doch seltsam unterrepräsentiert, scheint trotz
Sammlungsbeständen in den Museen versteckt gehalten.
Anders die im vergangenen Jahr gegründete Salzburg
Foundation. Sie lud den zu den bedeutendsten Malern der Nachkriegszeit
zählenden Kiefer ein, die Stadt zu erfahren und das künstlerische
Ergebnis zu verwirklichen. Er ist der erste einer Reihe internationaler
Künstler, die in den nächsten neun Jahren die zum Unesco-Welterbe
zählende Altstadt in einen Skulpturenpark verwandeln sollen.
Der Beginn dieses Unterfangens ist gelungen.
Kiefers präzise Inszenierung verfehlt ihre soghafte Wirkung nicht. Über
die Schwelle durch die hohe Flügeltür getreten, gelangt man ins Innere.
Im Raum herrscht eine hoch konzentrierte Atmosphäre. Die Wände
verhindern ein Zurückweichen vor den aufgeladenen Arbeiten, die durch
ihre enorme Größe jedoch immer die Flucht in die Bildwelten hinein
ermöglichen, deren Grenzen Kiefer aufhebt: „Ich denke nicht linear. Ich
bewege mich gleichzeitig in zwei Richtungen – in die Vergangenheit und
in die Zukunft.“
Beängstigend für die sich ihrer Grenzen Bewussten.
So findet man sich in dem Kubus gefangen, bedrängt. Die linke Wand
füllt ein Bild aus Sand und Lehm. Der darüber gewundene rostige
Stacheldraht treibt zur anderen Seite – doch eine Dornenwand stößt auch
hier zurück. Fordernd quillt das spitze Gestrüpp aus einem von Kiefers
bleiernen Bücherregalen, das die Erinnerungen birgt. Es bleibt der
Blick nach vorne: Auf der weißen Wand steht das verräterische Motto von
Kaiser Friedrich III.: „AEIOU“.
Es gab den Titel für das Werk, doch enthüllt es
weniger als die Inschrift des Bildes, ein Zitat aus Ingeborg Bachmanns
Gedicht „Das Spiel ist aus“: „wach im Zigeunerlager und wach im
Wüstenzelt, es rinnt uns der Sand aus den Haaren, dein Alter und mein
Alter und das Alter der Welt misst man nicht mit Jahren“. Darunter:
„Für Ingeborg Bachmann“, die Kiefer als wichtigste Dichterin des
Jahrhunderts bezeichnet. Er bildet ihre Brücke nach Salzburg: „Ich
führe ein Gespräch mit ihr – es ist nicht bedeutend für mich, ob jemand
tot ist oder lebt.“
Almuth Spiegler
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