|
Erwin Wurm / Brigitte Kowanz / Manfred Wakolbinger
Bildergalerie Eröffnung
Bildergalerie Künstlerfest, Schloss Leopoldskron
Filmbeitrag Salzburger Nachrichten, 01.10.2011
Am 1. Oktober 2011 wurde das zehnte Kunstprojekt Salzburg der Öffentlichkeit übergeben. Anders als in den vergangenen Jahren wurde nicht ein einzelnes Kunstwerk präsentiert, sondern als Hommage an das Gastgeberland wurden in diesem Jahr gleich drei Künstler eingeladen, alle aus Österreich, deren Werk nationales und internationales Renommee genießt: Brigitte Kowanz, Manfred Wakolbinger und Erwin Wurm.
Die in Wien lebende Künstlerin Brigitte Kowanz (*1957) ist bekannt für ihre Lichtinstallationen, die sie in Form von Raumbildern realisiert oder als „Interventionen“ im architektonischen Kontext umsetzt. Seit 1997 lehrt sie als Professorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Eine „Intervention“ mit dem Titel „Beyond Recall“ hat sie auch für die Salzburger Staatsbrücke vorgesehen, in deren Architektur sie gleichermaßen behutsam wie eindringlich mit ihrem Projekt eingreift. Über den Sockeln der vier Brückenköpfe plant Kowanz die Errichtung von semitransparenten Spiegelkuben, in denen Schriftzüge aus Neon aufleuchten. „Diese Lichtzeichen zwischen den Spiegeln sind raumbildendes Element und Informationsträger gleichermaßen. Der Raum, der dabei entsteht, kennt keine Grenzen. Innen und außen verschränken sich ineinander. (…) Eine Simultanität von Raum und Zeit, Schrift, Bild und Skulptur entsteht und wird sinnlich erlebbar“, so die Künstlerin.
Der Fotograf und Bildhauer Manfred Wakolbinger besetzt Räume mit seinen organisch geschwungenen Objekten, die wie Wesen aus einer anderen Welt wirken. Seine großformatigen Skulpturen aus Edelstahl werden zunächst am Computer entwickelt, bevor der Künstler sie plastisch umsetzt. Für das Kunstprojekt Salzburg hat er einen Platz am Rudolfskai zwischen alter Stadtmauer und Salzach gewählt, den er als Bühne für seine rund elf Meter lange Skulptur „Connection“ begreift, durch die ein Bezug zum kulturellen Selbstverständnis der Stadt Salzburg entsteht.
Erwin Wurm (*1954) ist der Meister des bissigen, skurrilen Humors. Mit Witz und Ironie vollzieht der Künstler gesellschaftliche und zivilisatorische Entwicklungen nach und stellt dabei den gängigen Skulpturenbegriff immer wieder in Frage. Wesentlicher Bezugspunkt in Wurms Werk – so auch den Salzburger „Gurken“, die der Künstler vor dem Furtwänglerpark aufstellen will – ist der Mensch in all seiner Individualität: „Die Faszination an der Vielfalt der Formen, die man nicht ausschöpfen kann, weil keine der anderen gleicht – das hat schon was. Jede Gurke ist individuell verschieden, aber doch sofort als Gurke erkennbar und einem Ganzen zuordenbar… ähnlich den Menschen“, so Erwin Wurm. Die Gurke als allgegenwärtiges, banales Objekt ist ein ironisches Bild. Indem Wurm sie auf menschliches Maß vergrößert und scheinbar direkt aus dem Asphalt wachsen lässt, inszeniert er sie als Wesen von individuellem Wert und erhebt sie zum Kunstobjekt. Die Interpretation lässt der Künstler, der sich selbst kürzlich im MdM als „Essiggurkerl“ inszeniert hat, offen. Sie bewegt sich zwischen kritischer Ironie und humorvollem Augenzwinkern – sind wir nicht alle ein bisschen Gurkerl?
|